Filippo Cavrianas geheime Korrespondenz, 1568–1589.
Faksimile von ASFi MP 4726a f. 17v–18rFilippo Cavrianas geheime Briefe sind ein Zeugnis der Hugenottenkriege, wie es kein zweites gibt: Über mehr als 20 Jahre hinweg begleiten sie die Intrigen, Schlachten, Verhandlungen und Verschwörungen, die dem Leben am französischen Hof und weit darüber hinaus den Takt vorgaben.
Die Briefe liegen im Staatsarchiv Florenz, größtenteils verstreut über Hunderte unerschlossener Bündel – filze, wie man in Florenz sagt. Zwar habe ich in den vergangenen Jahren Dutzende neuer Briefe ans Licht gebracht, doch diese Art von Archivarbeit wird immer beschwerlicher: Die Entfernung von Florenz, der Verfall mancher öffentlicher Dienste in Italien und die Covid-19-Pandemie machen aus solchen Editionsvorhaben ein langwieriges und ungewisses Unterfangen.
Allen Widrigkeiten zum Trotz sollte das Edieren von Primärquellen weiterhin zum Handwerk des Historikers gehören. Die Form freilich, die solche Editionen annehmen, wird sich wohl wandeln müssen. Quelleneditionen sollten sich nicht nur auf die geschilderte Lage einstellen, sondern auch dem schrittweisen Charakter dieser Forschung besser gerecht werden – und es anderen erlauben, die Arbeit fortzusetzen.
Daher die Idee, eine neue Art von digitalem Editionsprojekt zu entwickeln: skalierbar, nachhaltig, vertrauenswürdig, plattformunabhängig und nach Möglichkeit kollaborativ.
Die Edition ist inzwischen online: Filippo Cavriana: The Secret Correspondence. Sie versammelt die bislang transkribierten Briefe aus den Staatsarchiven von Florenz und Mantua sowie der BnF und wächst, sobald neue auftauchen. Die Überlegungen hinter ihrer Anlage habe ich in einem eigenen Beitrag dargelegt.
